Perspektivenwerkstatt 3

21.6.2021
10:00 - 14:00 Uhr
Online-Konferenz
Online-Konferenz
URBANE STRATEGIEN zur Transformation von Stadt- und Stadtteilzentren
Wie können konsistente, gemeinsam getragene urbane Strategien zur Transformation unserer Innenstädte, Stadtteil- und Quartierszentren gestaltet werden?

Thema

Die Transformation unserer Stadtzentren und Stadtteilzentren gehört – nach der Gestaltung des Stadtumbaus – zu den großen Gemeinschaftsaufgaben in der Stadtentwicklung. Um den Paradigmenwechsel in den Zentren zielführend zu gestalten, sind konsistente, gemeinsam getragene URBANE STRATEGIEN unumgänglich. Sie müssen auf eine Reihe von Fragen neue Antworten finden:

  • Welche Bedeutung hat „DIE MITTE“ für lebendige Stadtgesellschaften?
  • Welche neuen Leitbilder sind gefragt? Welche alten haben sich überlebt?
  • Welche Schlüsselprojekte können zeigen, worum es geht?

Aus dem Blickwinkel der Vernetzungsinitiative stehen weitere Fragen im Blick:

  • Wie wird die Zentrenentwicklung zur Gemeinschaftsaufgabe von öffentlicher Hand, Zivilgesellschaft, Kultur, wirtschaftlichen, immobilienwirtschaftlichen und kreativwirtschaftlichen Akteuren?
  • Wie entstehen Eigendynamik, Partnerschaften und Verantwortungsgemeinschaften auf dem neuen, gemeinsamen Weg?

Die Mitwirkenden in der Vernetzungsinitiative sehen die Transformation unserer Stadt- und Stadtteilzentren als Chance, um vernetztes Handeln zu kultivieren – auf dem Weg zu einer aktivierenden, gemeinwesenorientierten, ko-produktiven und ko-kreativen Stadtentwicklung, die von den Zentren auch in die Quartiere ausstrahlt: auf Bestandsentwicklung, Nachverdichtung und Neubau.

Die Initiator:innen der Perspektivenwerkstatt aus Stadtentwicklung, Immobilien- und Wohnungswirtschaft plädieren dafür, die Transformation von Stadtzentren und die Transformation von Stadtteilzentren in der Zusammenschau zu beleuchten. Das kann Synergien fördern und dazu beitragen, den Gesamtkontext aktivierender Stadtentwicklung im Blick zu behalten.

Agenda

Online-Konferenz am 21.6.2021

Moderation:

  • Christian Huttenloher, Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.
  • Dr. Ulrich Berding, plan zwei Stadtplanung und Architektur, Stadt als Campus e.V.
  • Prof. Reiner Schmidt, Hochschule Anhalt, Stadt als Campus e.V.

10:00 - 10:30 Uhr
Ziele und Instrumente einer ko-kreativen und ko-produktiven Strategie
zur Transformation von Stadt- und Stadtteilzentren

Begrüßung und Einführungstalk mit:

  • Stephan Willinger, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
  • Timo Munzinger, Deutscher Städtetag
  • Anne Moldenhauer, Göttinger Kommunikations- / Aktionszentrum e.V.
  • Marion Edelhoff, Prokuristin ecce GmbH, Dortmund
  • Daniel Förste, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.


10:30 - 12:00 Uhr
Kommunale Strategien im Vergleich

Kiel / Coburg / Regensburg:
kreative Potenziale erschließen, Entfaltungsräume eröffnen

  • Anne Czichowski, Referentin Kreative Stadt Landeshauptstadt Kiel und Jonas Godau, Innenstadt-Manager, Kiel Marketing ↗Präsentation (pdf)
  • Sebastian Knopp, Clustermanager Kultur- und Kreativwirtschaft, Amt für Wirtschaft und Wissenschaft, Stadt Regensburg ↗Präsentation (pdf)

Aachen / Mannheim:
Kreatives Management gemeinwesenorientierter Stadtentwicklung in Teilräumen kultivieren, erproben und umsetzen

  • Christoph Vogt und Antje Eickhoff, Städtische Entwicklungsges. Aachen GmbH & Co. KG: „Stadt machen am Büchel“ ↗Präsentation (pdf)
  • Dr. Matthias Rauch, NEXT MANNHEIM, Leitung Kulturelle Stadtentwicklung

Offenbach / Dortmund:
Integrierte Strategien ko-kreativ entwickeln, Schlüsselprojekte starten, Eigendynamik kultivieren

  • Marion Rüber-Steins,Referatsleiterin Stadtentwicklung und Städtebauförderung, Stadt Offenbach und Bozica Niermann, Leiterin Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Stadt Offenbach „Offen denken – Zukunftskonzept Innenstadt“ ↗Präsentation (pdf)


12:00 - 12:30 Uhr
Mittagspause


12:30 - 13:45 Uhr
Immobilien- und wohnungswirtschaftliche Strategien im Vergleich

Gewobag, Berlin / degewo, Berlin:
Die kommunale Wohnungswirtschaft als Bestandshalter und federführender Akteur bei der Transformation von Quartieren und Stadtteilzentren

  • Dr. Hans Michael Brey, Vorstandsvorsitzender Stiftung Berliner Leben / Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin ↗Präsentation (pdf)

NASSAUISCHE HEIMSTÄTTE | WOHNSTADT / Grundstücksgesellschaft Trave GmbH, Lübeck:
Immobilien- und Stadtentwickler als intermediäre Partner der
Zentrentransformation

  • Markus Eichberger, Leiter des Unternehmensbereichs Stadtentwicklung, Nassauische Heimstätte | ProjektStadt ↗Präsentation (pdf)
  • Dr. Matthias Rasch, Geschäftsführer Grundstücks-Gesellschaft Trave mbH, Lübeck ↗Präsentation (pdf)

Landmarken AG / bulwiengesa:
Immobilienentwickler und -betreiber als Partner einer gemeinwesenorientierten Transformation von Schlüsselimmobilien

  • Thomas Binsfeld, Mitglied der Geschäftsführung Landmarken AG und Dr. Joseph Frechen, Niederlassungsleiter Hamburg und Bereichsleiter Einzelhandel bulwiengesa ↗Präsentation (pdf)


13:45 - 14:00 Uhr
Resümee

Ausblick auf die Perspektivenwerkstatt
„Performative Stadtentwicklung“ am 25. Oktober 2021
Verabschiedung

report

Ergebnis

Die Dritte Perspektivenwerkstatt der Vernetzungsinitiative „Gemeinsam für das Quartier“ stand unter dem Thema „Urbane Strategien zur Transformation von Stadt- und Stadtteilzentren“. Die Veranstaltung wurde von Dr. Ulrich Berding, Christian Huttenloher und Prof. Reiner Schmidt moderiert.

In zwei aufeinander folgenden thematischen Sessions erörterten Praktiker:innen aus Kommunen sowie Immobilien- und Wohnungswirtschaft aus ihren jeweiligen Perspektiven die Frage, wie und unter welchen Voraussetzungen strategische Ansätze zur Entwicklung zentraler Lagen in Kommunen gestaltet und umgesetzt werden können. Hierbei standen sowohl die Rolle und das Zusammenwirken der unterschiedlichen Akteure als auch praktische Handlungsansätze im Mittelpunkt.

Einführende Statements zu den grundsätzlichen Zielen urbaner Strategien bildeten die Grundlage für die vertiefende Reflexion zum einen kommunaler Strategien und zum anderen immobilien- und wohnungswirtschaftlicher Strategien.

ZIELE UND INSTRUMENTE EINER KO-KREATIVEN UND KO-PRODUKTIVEN STRATEGIE ZUR TRANSFORMATION VON STADT- UND STADTTEILZENTREN

In seiner Einführung verwies Christian Huttenloher auf das Anliegen der Netzwerkinitiative, im Sinne einer kooperativen und kokreativen Quartiersentwicklung ein breites Spektrum an Akteuren zusammenzubringen. Gerade für die mit der Transformation von Stadt- und Stadtteilzentren einhergehenden Herausforderungen sei die Entwicklung von Handlungsstrategien erforderlich, die sowohl von den etablierten Akteuren aus Kommunen, Stadtentwicklung und Wohnungs- und Immobilienwirtschaft als auch zivilgesellschaftlichen, kreativen und soziokulturellen Akteuren gemeinsam getragen werden.

Stephan Willinger, fachlicher Begleiter der Initiative beim BBSR, betonte in seinem Beitrag, dass Stadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe jetzt in die Konkretisierungsphase komme und alle Akteurssphären gefordert seien, gemeinschaftlich Probleme und Krisen zu lösen. Die geforderten neuen Antworten können nicht von etablierten Playern gelöst werden, sondern verlangten neue Anforderungen über bestehende Strukturen hinaus. Deshalb müsse eine neue Kooperationskultur entwickelt werden.

Timo Munzinger vom Deutschen Städtetag hob hervor, dass es angesichts des in vielen Handlungsfeldern der Stadtentwicklung voranschreitenden Wandels neue Netzwerke und neue Formen der Zusammenarbeit brauche. Eine auf die Kooperation aufbauende umsetzungsbezogene Stufe sei Koproduktion. Hier stelle sich die Frage, was die Rahmenbedingungen für eine gelingende Koproduktion seien und welche Schwierigkeiten zu bewältigen seien.

Als Vertreterin der Kultur und Soziokultur reflektierte Anna Moldenhauer vom Göttinger Kommunikations- / Aktionszentrum e.V. den Ansatz der performativen Künste. Soziokultur und Theater können im Rahmen von Stadtplanungsverfahren Beteiligte zusammenbringen und auch über die Planungsphase die Belebung und Bespielung von Räumen mittragen.

Marion Edelhoff, Prokuristin der ecce GmbH aus Dortmund, betonte die Bedeutung einer regionalen Strategie zur Unterstützung von Kreativquartieren und zur Verbindung zwischen Quartier, Kommune und Wirtschaftsförderung. Ein wesentlicher Faktor sei zukünftig die verstärkte Netzwerkarbeit zur Gestaltung von Kooperationen.

Als Vertreter des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. verdeutlichte Daniel Förste, dass es Kümmerer brauche, die die verschiedenen Akteur:innen und deren Perspektiven zusammenbringen und damit die urbane Transformation unterstützen. Diese können Ansätze aus dem Quartiersmanagement nutzen, jedoch müsse auch eine Art Ausbildung für ein Innenstadtmanagement gestärkt werden. Er ist überzeugt, dass sich die Standortfaktoren in Zukunft von „Lage, Lage, Lage“ zu „Lage, Nutzung, Akteure“ wandeln werden.

KOMMUNALE STRATEGIEN IM VERGLEICH

In der Session der kommunalen Vertreter:innen wurden vielfältige Erkenntnisse aus Projekten zur Quartiersentwicklung aufgezeigt. Auch hier zeigte sich, dass der Rolle eines Vermittelnden eine große Bedeutung zum Erfolg der Projekte beigemessen wurde. Dieser könne – wie in der Stadt Regensburg – als Intermediär an Kultur, Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung „andocken“ und so zur Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen beitragen. Es stellte sich jedoch auch heraus, dass in vielen Städten die Rolle eines solchen Intermediärs fehlt, unterbesetzt ist oder nicht die erforderliche Tragkraft leisten kann. Dieser Intermediär müsse zwischen den verschiedenen Fachbereichen der Stadt, den Projektentwickler:innen und auch der Stadtgesellschaft Kommunikationsarbeit leisten. Es müsse ein Prototyp für eine solche Position entwickelt werden. Der Prozess zur Entwicklung einer Verantwortungsgemeinschaft brauche Zeit und erzeuge eine Aufbruchsstimmung und Erwartungshaltung.

Das große Feld der Beteiligung auf verschiedenen Ebenen war der zweite wichtige Punkt aus dieser Session. Die enge Einbindung von Stadtmacher:innen und die Öffentlichkeitsarbeit für Pioniere und deren Konzepte seien zentrale Erfolgsfaktoren. Die Akteure vor Ort müssten einbezogen werden und es müsse ihnen auf Augenhöhe begegnet werden, um einen informellen Zugang zur Szene zu ermöglichen. Auch Bürger:innen gegenüber seien transparente Prozesse zur Transformation der Stadt- und Stadtteilzentren von großer Bedeutung.

Es sei entscheidend, dass – je nach Rahmenbedingungen – sowohl die Kommunen als auch Investor:innen den aktiven Akteuren Handlungsspielräume ermöglichen und Verantwortung für einzelne Projekte übertragen. Es müsse Raum zum Experimentieren und Ausprobieren geschaffen werden, um situationsgerechte und an den jeweiligen Kontext angepasste Konzepte und Handlungsansätze entwickeln und erproben zu können. Denn es gebe keine einfachen Passepartouts, die auf verschiedene Orte gelegt werden können.

Ein wichtiger Faktor für den Projekterfolg sei die Etablierung eines prägnanten und verlässlich nutzbaren Orts. Dies trage auch zur Bekanntmachung und langfristigen Verankerung von Projekten im Stadt- oder Stadtteilzentrum bei. In Verbindung mit einem Nutzungs- und Bespielungskonzept könne sowohl die genutzte Immobilie belebt als auch ein über den unmittelbaren Ort hinaus wirkender Ausstrahlungseffekt in das Umfeld erzielt werden.

Bereits umgesetzte und in der Stadt und Stadtgesellschaft integrierte Projekte könnten als Exempel zum Etablieren neuer Projekte und Ansätze fungieren. Hierbei sei es auch wichtig Prototypen für neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Es habe sich auch gezeigt, dass für alle Beteiligten Planungssicherheit essenziell ist. Sowohl die übergeordneten, organisierenden Akteure als auch die umsetzenden Pioniere müssten verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden und Klarheit über zeitliche Nutzungsperspektiven, Handlungsspielräume und Finanzierungsfragen erhalten. Dies sei bei allen Projekttypen, von Zwischennutzungen bis hin zu zukunftsgerichteten Konzepten, von Bedeutung.

IMMOBILIEN- UND WOHNUNGSWIRTSCHAFTLICHE STRATEGIEN IM VERGLEICH

Auch in der Session der Immobilien- und Wohnungswirtschaft wurde dem Intermediär eine entschiedene Rolle zugesprochen. So könne die Stadtentwicklung verschiedene Stakeholder identifizieren und zusammenbringen sowie als Vermittlerin zwischen Verwaltung und Kreativen agieren. Hierbei sehen sich die Stadtentwickler:innen selbst auch als Kreative, Umsetzende und Impulsgebende. Auch ein Sanierungsträger könne als Moderator und Abwickler sowie als Gestalter und Steuerer arbeiten. Er müsse verschiedene Akteurskonstellationen zusammenbringen und moderieren. Außerdem sei bei der Entwicklung von Projekten und Gebieten das Zusammenspiel zwischen Immobilieneigentümer:innen und der öffentlichen Hand von großer Bedeutung.

Ein weiteres Thema dieser Session war der Quartiersbezug. Auch bei der Entwicklung von Konzepten zur Transformation einzelner Immobilien müsse das Quartier einbezogen werden. Gerade Multi-Use-Ansätze erforderten eine intensive Auseinandersetzung mit der Identität des Ortes und seines Umfeldes. Hierbei könnten sowohl die Bedarfe und Anforderungen des Quartiersumfelds und der Nachbarschaft als auch die von diesen ausgehenden Angeboten und Mitwirkungspotenziale aufgegriffen und als Ressource genutzt werden. Auf diese Weise könne eine Hebelwirkung erzeugt werden, die die Strukturen vor Ort nutzt und zu einer Inwertsetzung des Quartiers beitragen könne.

Bei der Umsetzung mehrerer Einzelprojekte sei es besonders wichtig, eine thematische Klammer zu schaffen, die die einzelnen Bestandteile miteinander verknüpft und so eine einheitliche Sprache entwickelt. Dies ermögliche auch eine bessere Vermarktung und – in Verbindung mit einem Vertrauen schaffenden langfristigen Engagement – eine solide Finanzierungsperspektive.

Die Umnutzung leergefallener Handelsimmobilien erfordere ein besonderes Handlungsspektrum. Die Transformation einer einzelnen Immobilie müsse im Kontext der grundsätzlich erforderlichen Anpassung der Innenstädte an sich ändernde Rahmenbedingungen betrachtet werden. Der Handel sei weiterhin ein wichtiger Baustein, aber zu nachhaltigen Entwicklungen müssen verstärkt multifunktionale Nutzungskonzepte entwickelt werden.

Allerdings erforderten Multi-Use-Konzepte auch eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Umfeld, dem Ort und der individuellen Substanz der jeweiligen Immobilie. Ebenso seien schon frühzeitig Projektkriterien beispielsweise für die Integration soziokultureller Nutzungen festzulegen. Darüber hinaus müsse Multi-Use auch in Bezug auf die Kommunikation verstanden werden, indem die Akteure und das soziale Quartiersumfeld bei der Entwicklung einbezogen werden.

Gerade in bestehenden Großkomplexen seien multifunktionale Lösungen auch immer mit Kompromissen verbunden. In Bezug auf die finanzielle Perspektive müsse der Begriff der Rendite neu definiert werden: Werthaltigkeit sei langfristig und auf den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie zu beziehen. Dies erfordere auch ein Umdenken auf der Seite der Eigentümer:innen und Investor:innen.

In Bezug auf die Nutzung zeige sich, dass gerade großräumige Handelsimmobilien herausfordernde Rahmenbedingungen für kleinteiligere Nutzungsformen mit sich bringen. Zur Ausarbeitung werthaltiger und tragfähiger Lösungen könne auch die Kreativwirtschaft wichtige Impulse geben.

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